Fehlgeburt - Erklärung
Eine befruchtete Eizelle, die sich zu teilen beginnt, ist keine Garantie dafür, dass alles normal ist und es neun Monate später ein neugeborenes Baby geben wird.
Die ersten Teilungen der befruchteten Eizelle erfolgen ohne Einfluss der DNA der Spermien. Der Vorgang der Entwicklung eines kleinen Kindes findet in den ersten drei Monaten der Schwangerschaft statt; während der restlichen Schwangerschaft wächst sich das Kind groß und stark. Während der ersten drei Schwangerschaftsmonate wird ein kleines „Handbuch“ gelesen, das aus der DNA der Eizelle als auch des Spermiums besteht. Stellen Sie sich ein Buch von beispielsweise 300 Seiten vor, zu dem die Eizelle jede zweite Seite und das Spermium jede zweite Seite beigetragen haben. Für jeden der drei Monate im ersten Trimester der Schwangerschaft müssen 100 Seiten des Buches „gelesen“ werden.
Wenn nunmehr Seite 28 (Beitrag des Spermiums) zerrissen wäre – dann würden Sie vielleicht nie entdecken, dass Sie ein Kind erwarteten. Die Eizelle wäre so schnell zu Grunde gegangen, dass sie sich in der Gebärmutter gar nicht eingenistet hätte.
Vielleicht ist die Seite 68 zerrissen. Der Schwangerschaftstest aus der Apotheke wäre positiv, eine Woche später käme es aber zu einer unerklärlichen Blutung...
Bei einer DNA-Fragmentierung der Spermien gibt es oft Schäden an mehreren Seiten zur gleichen Zeit, und die Entwicklung der Eizelle stoppt daher oft im Laufe des ersten Monats. In einigen Fällen fehlt erst die Seite 168 des Handbuchs. Zu diesem Zeitpunkt hat die Schwangerschaft vielleicht sieben Wochen gedauert, und Sie freuen sich nun im Ernst. Die Enttäuschung ist daher bei einer Fehlgeburt enorm…
Eine DNA-Fragmentierung bedeutet nicht immer, dass die Entwicklung der Eizelle stoppt. In einigen Fällen kann die Eizelle die Schäden an der DNA der Spermien reparieren, wenn die Schäden nicht zu umfangreich sind. Die Reparatur erfolgt aber leider nicht immer richtig. Daher werden in seltenen Fällen Kinder mit genetischen Schäden geboren. Kinder von älteren Vätern erkranken öfter an z.B. Autismus und Schizophrenien, und man meint, dass dies auf eine DNA-Fragmentierung der Spermien der Väter zurückzuführen ist (Referenz: Aitken, 2010).
Haben Sie eine Fehlgeburt erlitten, ist es wichtig, dass Sie mit Ihrem behandelnden Arzt bzw. Fertilitätsarzt die Ursache hierfür besprechen. Es gibt nämlich mehrere Ursachen für eine Fehlgeburt, und die Fragmentierung der DNA des Spermiums ist nur eine davon.


